No ego, no problem: paradise.
Das, was ich mir ein paar Wochen zuvor gewünscht hatte, wurde wahr: ein kleiner Baumwollanzug, unter dem ich mein Ego und meine frei erfundene Identität ablegen könnte. Keinen Moment musste ich mir Gedanken machen, wie ich aussehe, wie die anderen aussehen, ob ich over- oder underdressed bin. Weder Schmuck noch Schminke noch Parfüm waren hier gewünscht, geschweige denn Stimulanzien wie Kaffee, Alkohol, Zigaretten. Handys waren nur auf den Zimmern erlaubt. Wir bekamen eine Armbanduhr, um nicht ganz aus der Zeit zu fallen. Am ersten Tag stellte ich um 5 Uhr 40 morgens fest, dass ich zu blöd geworden war, die Uhr zu lesen.
Zum Silent Breakfast wurde ein Teller ayurvedischer Porridge (alle sechs Geschmacksrichtungen in einer Mahlzeit vereint) und warmes Wasser serviert. Wir saßen mit gekreuzten Beinen im Satsang, spülten unsere Augen mit Triphala aus, wurden in Öl getränkt, geknetet, geschröpft, vom TCM Doktor genadelt, geräuchert, mit Kräuterstempeln behandelt, bedient, bekocht, beherbergt und behütet. Jeden Abend stand eine Golden Milk auf dem Nachtisch und lag eine Wärmflasche am Fußende im Bett. Nichts musste ich entscheiden, nichts wählen, weder, was ich einkaufe, koche oder unternehme noch zu was ich ja oder nein sage. Jeden Abend gab es einen Plan für den kommenden Tag. Mein Telefon lag eine Woche lang in der Tasche.
Zwischen Doctor Consultation, Medizinausgabe, Abhyanga (in der westlichen Welt auch unter dem Begriff „Die Große Einölung" bekannt) und Lunch unter Palmen hatte ich ein Treffen mit Tulku Lobsang Rinpoche. Er lächelte und sagte, eines der ersten Buddha Teachings sei, dass es nur zwei Dinge gibt: Impermanence und Emptiness. Vergänglichkeit und Leere. Die Leere (Sanskrit: Śūnyatā) in der buddhistischen Lehre bedeute nicht, dass nichts existiert, sondern dass nichts ein statisches, unveränderliches Wesen hat. Alles vergeht, ändert und verändert sich ständig. Wir genauso wie die Natur um uns herum. Frieden im Geist sei die Realisation dieser Leere. Die Akzeptanz dieser Leere. “Vergiss nie die Vergänglichkeit. Wir müssen ein gutes Verhältnis zu Veränderungen entwickeln. Unser Körper und unser Geist verändert sich, nichts bleibt so wie immer. Die Ignoranz gegenüber dieser Tatsache macht uns unglücklich.” Das Leben habe keine Bedeutung, sagte er, you are the meaning of life. Er erinnerte daran, immer gelassen und ruhig zu bleiben: “Before any choice be calm.” Und ich war sicher, seine Worte nie mehr zu vergessen. Ach ja, und schlafen sei die beste Medizin, um happy und healthy zu sein: “Don‘t forget to sleep.” Das muss man mir nicht zweimal sagen. Licht aus um 21 Uhr. Draußen hörte ich Kinder lachen, es war Ostern, ich in Italien, mein Hirn im Nicht-Stören-Modus und ich die beseelteste Frau unter der Sonne. Danke dafür, Datu, it was my utmost pleasure to stay in your paradise.








