Pfautec Capo Frontdreirad, hübsch und wendig, aber die Version muss nachgerüstet werden.
Um wieder radfahren zu können und dadurch mobil zu sein, beantragte ich ein Pfautec Capo Frontdreirad mit Hilfsmittelnummer, fuhr ein nur wenige Male gebrauchtes Rad Probe und stellte auf der kurzen Strecke fest, dass es immerhin wesentlich einfacher zu fahren ist, als ein Dreirad, das die beiden Räder hinten hat.
Vor einer Woche erhielt ich mein "Stück Freiheit", habe auf inzwischen drei größeren Fahrten (1. ca. 9 km hin und zurück in die nächste Stadt, 2. längere Hunderunde, ca. 5km, relativ gemütlich, Spazierfahrt "einfach so", ca. 5 km) folgendes festgestellt:
Das Modell mit 3-Gang-Schaltung ist im Grunde für Menschen mit Gehbehinderung nicht wirklich tauglich, wenn sie das Rad nicht auf völlig ebenem Terrain und nur für kurze Strecken nutzen. Die Abstände zwischen 1., 2., und 3., Gang sind derart weit, dass man beim hoch schalten wirklich sehr fix weiter treten muss, um genügend Schwung zu behalten und die "Geschwindigkeit" derentwegen man in den 3. Gang schaltete, überhaupt weiter halten zu können.
Weil dies kaum gelingt, strample ich unvorteilhaft im 2., noch viel öfter im 1. Gang... Allein auf meiner Spazierfahrt gelang es mir, mit genügender Konzentration weil weit draußen und alleine unterwegs, ein einigermaßen zügiges Fahrgefühl hin zu bekommen.
Der 1. Gang bringt einen naturgemäß kaum vorwärts, der 2. Gang ist gefühlt mindestens schon der 3. meines 7Gang-Zweirades. Und der 3. Gang fühlt sich wie der 5. meines Zweirads an.
Die Sprünge sind also gewaltig. Und wir reden ja nicht von einem Rad für Sportler. Sondern von einem Rad mit Hilfsmittelnummer für Menschen mit eingeschränkter Körper- meist Beinfunktion, denen sicher häufig die nötige Beinkraft fehlt um solche Sprünge bei nur drei Gängen zu bewältigen.
Wie mir scheint, sind die beiden Fronträder nicht - und wenn, dann wenig nützlich - gefedert.
Jede Bodenunebenheit führt zum Ausschlag des Lenkers, wenn man nicht ständig fest zu packt und gegenhält.
Also ein Fahren über längere Strecken, wie ich es seit Jahren hier draußen in Ostfriesland gewohnt bin, ist zwar möglich, aber keinesfalls komfortabel!
Es strengt wirklich an, man neigt dazu, sogar kleineren Schlaglöchern und Bodenwellen ausweichen zu wollen, was natürlich in der Radbreite auf einer schmalen Flurbereinigungsstraße kaum gefahrlos möglich ist.
Auf einem moderaten! Feld- oder Wiesenweg zu fahren oder mal eben aufs Bankett auszuweichen, möge es noch so breit sein, ist nicht schön und man muss sich damit abfinden, stets nur ebene, grade Flächen zu fahren, was den Zweck des Rades sehr einschränkt.
Grade hier in den Moorgebieten sind gepflasterte Radwege niemals plan, weil der Moorboden immer arbeitet.
Desweiteren ist die sicher sehr gut gemeinte Rutschhemmung der Pedale im Zusammenspiel mit für sicheres Gehen nötigem guten Profil meiner Schuhe kontraproduktiv.
Bei der ersten Fahrt kam ich noch nicht auf den Zusammenhang, ich spürte nur, dass ich die Pedale nicht flüssig-rund treten konnte, was mich - zusammen mit noch zusätzlich den schwierigen drei Gängen - sehr ermüdete.
Bei meiner Spazierfahrt vergangenen Sonntag trug ich andere Schuhe als meine grippigen Trekkingschuhe. Ich trug schon sehr abgeschilferte eher sommerliche Halbschuhe, da ich nur spazieren fahren wollte und direkt danach nach Hause. Und siehe da: das leichte "Spiel" der eher glatten Schuhsohlen auf den Anti-Rutschpedalen ermöglichte ein gleichmäßiges rundes Treten, das viel weniger ermüdete, als mit meinen Trekkingschuhen mit Profilsohle sozusagen "festgetackert" auf den Antirutschpedalen.
Es wird also - und das vermutlich auf meine Kosten, es wird kaum mit Hilfeplan genehmigt werden! - nötig sein, das Rad vom Fachhändler nachrüsten zu lassen, mindestens eine 5-Gangschaltung, wenn möglich 7-Gangschaltung einzubauen, zugleich die Rücktrittbremse gut einzustellen, beide Fronträder angemessen zu federn, sodass unebene Strecken kein Problem mehr darstellen und mir "herkömmliche" Pedale zu montieren, wahrscheinlich - wenn sie passen - meine vom Zweirad. Denn lieber trage ich Schuhe mit Gripp, weil ich die auch zum Laufen benötige, wenn ich mit dem Rad angekommen bin, wohin ich wollte, und habe leicht rutschige Pedale um das geringfügige Spiel zu gewährleisten für gutes Rund-Treten.
DANN ist das Rad ein guter Begleiter, wendig und praktisch, nicht so wuchtig, fein.
Möglicherweise werde ich mir einen guten, kleineren Rad-Hänger zulegen und eine Vorrichtung für den Gehstock.

