Traumasensibel beworben – für mich nicht traumasensibel erlebt.
Traumasensibel beworben – für mich nicht traumasensibel erlebt.
Ich habe bei der Coachin ein dreimonatiges 1:1-Intensivcoaching absolviert.
Aufgrund meiner eigenen Vorgeschichte und der Beschreibung des Angebots als „traumasensibel“ hatte ich mir einen stabilen, klar geführten und gut abgestimmten Rahmen erhofft. Im Verlauf zeigte sich für mich jedoch, dass der Arbeitsstil der Coachin – den ich als sehr dynamisch, expressiv und aktivierend erlebt habe – für mein Nervensystem nicht passend war. Einzelne Methoden empfand ich als zu intensiv, sodass ich mich wiederholt eher überfordert als unterstützt fühlte. Rückblickend hätte ich mir gewünscht, dass meine Überforderung stärker als wichtiges Signal für Tempo, Sicherheit und Passung verstanden wird – und nicht als etwas, das ich im Prozess überwinden muss. Auch der Einsatz von E.M.D.R. im Coaching hat mich irritiert. Gerade aufgrund meiner traumatischen Vorgeschichte hätte ich mir hier eine klarere fachliche Abgrenzung zwischen Coaching und therapeutischer Traumabehandlung sowie eine engere Prüfung der Passung und Belastbarkeit gewünscht. Die Kommunikation habe ich ebenfalls als herausfordernd erlebt. Es kam mehrfach zu Missverständnissen, wodurch ich mich nicht immer passend gesehen oder verstanden fühlte. In einzelnen Momenten entstand bei mir zudem der Eindruck, dass die Verantwortung für das Gelingen des Prozesses stark bei meiner Fähigkeit lag, zu vertrauen und mich führen zu lassen. Gerade in einem traumasensiblen Kontext hätte ich mir gewünscht, dass Vertrauen nicht vorausgesetzt oder eingefordert wird, sondern durch einen klaren, verlässlichen und fein abgestimmten Rahmen entstehen darf. Irritierend war für mich außerdem die Rahmen- und Konditionsklarheit. In meinem Fall kam es nach einem Missverständnis zu einer nachträglichen Veränderung bereits besprochener Konditionen, was bei mir bei einem hochpreisigen Coaching zusätzliche Unsicherheit ausgelöst hat. Als belastend habe ich zudem erlebt, dass aus meiner Sicht wiederholt private Themen der Coachin in das Coaching eingeflossen sind. Dadurch entstand für mich eine Rollenunschärfe, die mein Sicherheitsgefühl im Prozess beeinträchtigt hat. Rückblickend hatte ich nicht das Gefühl, in einem ausreichend stabilen professionellen Rahmen begleitet zu werden, sondern musste zu oft selbst Orientierung, Einordnung und Sicherheit in den Prozess bringen. Auch im Umgang mit persönlichen Ressourcen hätte ich mir mehr Differenzierung gewünscht. So habe ich erlebt, dass mein Humor eher als Schutzmechanismus eingeordnet wurde, während er für mich auch eine wichtige Ressource für Selbstregulation, Verbindung und Leichtigkeit ist. Ein weiterer organisatorischer Punkt war, dass vertragliche Unterlagen und die Abrechnungsbelege trotz mehrfacher Nachfrage nicht zeitnah bereitgestellt wurden. Auch das habe ich bei einem professionellen und hochpreisigen Coaching anders erwartet. Diese Rezension ist kein allgemeines Urteil über die Person der Coachin, sondern beschreibt meine persönliche Erfahrung mit diesem konkreten Coachingformat. Für mich war die Begleitung in dieser Form nicht passend und hat meinen Prozess eher belastet als stabilisiert.
